28. Januar 2014

Prekäre Gefühle 2


.facebook_28000Immer wieder gehen mir Gedanken zu diesem Thema durch den Kopf. Schon lange. Allein der dauerhaften Betroffenheit wegen. Aber immer wieder bleiben sie nur Fragment. Irgendwo auf meinem Rechner. Oder auf einem Zettel, der auf dem Schreibtisch langsam aber sicher vergraben wird. Das Leben geht weiter…
Heute ist die Notiz einmal etwas länger geworden. So daß sie als selbständiger Text durchgehen kann. Und also hier eingestellt wird. Beendet ist das Thema deswegen trotzdem nicht. Auch dies hier nur ein Fragment. Eine Notiz. Unvollendet. Auf Fortsetzung wartend …

Frage: Was hat sich langfristig durch die Erwerbslosigkeit verändert? Welche Wirkung hat das auf das Leben? Längerfristig
Vor allem anderen sind es zwei Faktoren, die sich langfristig auswirken: das eingeschränkte Handlungsspektrum, insbesondere des fehlenden Geldes wegen. Was nicht zu unterschätzen ist. Denn es wirkt sich tatsächlich auf alle Lebensbereiche aus, bleibt nicht bei Ernährung oder Kleidung etc. stehen. (Wird hier jetzt aber nicht in die Tiefe verfolgt. Vielleicht ein anderes Mal.)

Vor allem anderen ist es aber auch die Vereinzelung und das unnütze Dasein, das sich auswirkt.

Jetzt zum Beispiel sitze ich hier. Es ist bereits fortgeschrittener Tag. Ich habe bis jetzt so einiges geschrieben und kommentiert bei facebook, viele wichtige Posts, zu denen ich mir wichtiges ergänzt habe oder mich mit anderen austauschte. Das war eine Aufgabe. Wie dies dann weiter wirkt in die Welt hinein, darüber habe ich keine Kontrolle mehr. Ob es überhaupt wirkt oder einfach im Universum von Facebook versandet und wegrutscht, das weiß ich auch nicht genau. Manchmal denke ich so, manchmal so. Aber jetzt am frühen Nachmittag geht die Aktivität spürbar zurück. Es gibt keine Rückmeldungen mehr. Kaum noch etwas, daß man merkt: da ist was. Da ist Kommunikation. Und dann kommt unweigerlich der Gedanke: Ah, die anderen sind jetzt arbeiten. Sie tun etwas Sinnvolles. Sie arbeiten. Und du sitzt hier. Und müßtest eigentlich auch arbeiten. Das tust du auch. Aber hat das Sinn?

Dann manchmal spürst du, daß du allein bist. Daß du für dich arbeitest. Und daß die Fäden zur Welt dünner werden. Und immer bedroht sind abzureißen. Dann bist du auf dich selbst zurück geworfen. Und das ist erwiesenermaßen eine einschneidende Erfahrung. Nicht jedeR kann sie aushalten. Es ist eine Erfahrung, die im Grunde nur zwei mögliche Wege offen läßt: entweder Scheitern. Oder daran wachsen. Weiterlesen

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21. Januar 2013

Zum Zusammenhang von Neoliberalismus und Gewalt, deren Zweck und Wirkweise


Es wird oft gefragt und inzwischen von Vielen beinahe verzweifelt geklagt, daß die Menschen bei zunehmend problematischer werdenden Lagen nicht immer stärker und machtvoller auf die Straße drängen, demonstrieren, ihren Willen bekunden, einfach Druck machen auf die Politik.

Naomi_Klein_Warsaw_Nov._19_2008_Fot_Mariusz_Kubik_05Ich werde im Folgenden einen größeren Abschnitt in Ausschnitten aus Naomi Kleins Buch „Schockstrategie“ zitieren. In diesem legt sie den Zusammenhang zwischen Neoliberalismus und Gewalt dar und zu welchem Zweck diese angewandt wird.

Naomi Klein beschäftigt sich in den Anfangskapiteln ihres Buches „Schockstrategie“ intensiv mit dem „ersten neoliberalen Experiment“, den Militärdiktaturen insbesondere in Chile, Argentinien, Brasilien und Urugay in den siebziger Jahren. Dies ist wichtig als Hintergrundwissen. Denn darauf bezieht sie sich in diesem Falle. Hier geht es darum auch um Folter als bevorzugt angewandte Methode von Gewalt. Folter ist aber nicht die einzige Form von Gewalt; der Neoliberalismus hat aus seinen bisherigen „Durchläufen“ in verschiedenen Regionen der Welt hierin deutlich dazu gelernt. Die Formen von Gewalt variieren, nicht aber die grundsätzliche Anwendung gewaltsamer Methoden.

Diese haben ihre Hauptfunktion darin, die Bevölkerung einzuschüchtern. Leider benennt Naomi Klein dies (zumindest in diesem Abschnitt) nicht so deutlich, wie es nötig wäre. Es geht bei ihr lediglich aus dem Gesamtzusammenhang hervor (und dies obwohl es eines der wichtigsten Themen des Buches ist). Darum sage ich es hier klar und deutlich: Gewalt als Begleiter der neoliberalen Experimente sind kein Zufall und keine Ausnahmen, sie sind Bestandteil der neoliberalen Experimente und in erster Linie dazu gedacht, die Bevölkerung einzuschüchtern, sie dazu zu bewegen, die gewaltsamen Veränderungen des Neoliberalismus hinzunehmen und eben nicht wirksam dagegen zu protestieren.

Ich habe mir die Arbeit des Abtippens vor allem deswegen gemacht, weil ich mir wünsche, daß dieser Zusammenhang von uns allen verstanden wird. Wo Angst herrscht, wovor auch immer, da wird sich eher geduckt und still gehalten und nur wenige werden den Mut zum Protestieren finden. Das war auch zur Zeit der Militärdiktaturen in Lateinamerika nicht anders. Und darum ist dies auch ein gutes Anschauungs-Beispiel für uns. Weiterlesen

13. Dezember 2012

Wer sind die Kommunisten wirklich? – Carlos Pérez Soto


Vorweg: Bitte keine Angst vor dem Text wegen des Wortes „Kommunist“. Es kommt nicht, wie befürchtet. 🙂 Nur Mut zum Lesen!

(ist ja auch schon bezeichnend, daß diese Angst überhaupt da ist …)

Dieser Text ist für mich darum interessant (und deshalb stelle ich ihn hier ein), weil er den Spagat schafft, zum einen das bisherige, was sich als Komunismus/ Kommunist bezeichnete, kritisch unter die Lupe und auseinanderzunehmen und sich gegen Fehlentwicklungen abzugrenzen, gleichzeitig aber auch neu zu ordnen und auf die heutige Zeit neu auszurichten. – So gesehen ist dieser Text sogar recht kurz. Denn durch all diese Minenfelder unbeschädigt hindurchzukommen, die auf diesem Weg liegen, das ist schon eine ordentliche Leistung.

Mir persönlich ist der Begriff „Kommunismus/ Kommunist“ nicht so wirklich wichtig. Weil es mir einerseits nicht auf ein Wort ankommt, auch nicht, mich zu irgendeinem -ismus dazu zu zählen. Und andererseits  denke ich, daß das Wort selbst durch unterschiedlichste Einflüsse (nicht nur die Hetzkampagnen z.B der Springerpresse, sondern auch die tatsächliche nackte Realität des Gewesenen) nicht mehr benutzbar ist und man ein neues Wort finden sollte, und das Konzept selbst entstauben, um es danach auf die neue Zeit anzupassen. Und genau das ist es, wozu der Artikel wirklich einen echten Beitrag zu leisten in der Lage ist. Und damit der Grund, warum ich ihn hier einstelle und zum Lesen und Überdenken empfehle.

Wer sind die Kommunisten wirklich?*

Carlos Pérez Soto

Physiklehrer

Universität Arcis –  Santiago de Chile

1. Im Jahr 1848 waren die Kommunisten diejenigen, die das Privateigentum an den Produktionsmitteln als den Ursprung der Übel des Kapitalismus ansahen. Karl Marx schlug vor, die bis dahin „Liga der Gerechten“ genannte Vereinigung in „Liga der Kommunisten“ umzubenennen, denn er verstand, dass es sich nicht nur um die Gerechtigkeit im Allgemeinen, in der Manier einer moralischen Forderung handelte, sondern dass es darum ging, eine direkte politische Opposition zum herrschenden System als Ganzes zu organisieren.

Marx nannte diejeningen Kommunisten, die die tiefgreifende Bewegung der Realität erkannt hatten, die materiellen Möglichkeiten der Befreiung, die durch die kapitalistischen Interessen gehemmt wurden, und die politischen Möglichkeiten, die das organisierte Bewusstsein der Arbeiter eröffnete.

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12. Dezember 2012

wieder zurück – warum, wieso, weshalb? (und mit einem aufruf am schluß)


in den letzten monaten gab es hier keinen neuen blog-artikel mehr. und es herrschte absolute leere vor. vielleicht hat sich jemand gefragt, warum und was los ist. vielleicht auch nicht… anyway…  mit dem heutigen tag nehme ich die arbeit an dem blog jdenfalls wieder auf. und werde neue texte einstellen, die ich für besonders gut halte und darum weiter verbreiten möchte, zur diskussion stellen oder einfach nur zum lesen und gedanklichem anregen bereitstellen. oder auch filme einstellen, wenns paßt. eben alles, was mir wichtig ist. gelegentlich auch eigene texte produzieren und zur diskussion stellen. so weit wird sich also nicht viel ändern.

inhaltlich wird es möglicherweise etwas anders werden als bisher. denn natürlich ist in diesem jahr 2012 viel passiert, in deutschland, in europa und global gesehen. viele haben das selbst miterlebt. ich auch. und da hat sich natürlich, auch bei mir, einiges weiter entwickelt. und das wird sich vermutlich auch textlich und inhaltlich auswirken. es ist dies ja auch einer der vielen vorteile eines blogs. man kann an ihm auch gut eine entwicklung nachverfolgen.

was war los?

kurz andeuten möchte ich an dieser stelle, WARUM ich in den letzten monaten diesen blog ruhen lassen mußte. es war ja definitiv nicht geplant. aber zum ende des letzten jahres deutete sich an, daß ich ein problem mit meiner wohnung bekommen würde. ich hatte plötzlich einen neuen vermieter und dieser begann sofort damit, auf mich druck auszuüben. das ziel war eigentlich von anfang an klar: ich sollte die wohnung verlassen. er hatte andere pläne damit und außerdem war ihm die miete zu niedrig, die ich zahlte. es kam also das, was bereits vorhersehbar war: ein prozeß der wohnungsvertreibung. und dieser prozeß hat leider ein halbes jahr gedauert, bis ich endlich eine neue wohnung hatte, in der ich jetzt auch etwas ruhe finde, um mich nun auch wieder anderen aufgaben widmen zu können. so wie eben diesen blog.

die erfahrungen, die ich während der wohnungsvertreibung gemacht habe, sei es mit den gerichten, sei es mit dem vermieter, sei es mit dem jobcenter oder anwälten, die sind im nachhinein betrachtet, außerordentlich interessant. so wie ich es mitbekommen habe, war ich mit dieser meiner wohnungsgeschichte weder ein einzelfall, noch war es gar der schlimmste fall. für mich persönlich war dies sicher schlimm genug. ich habe nicht nur meine wohnung verloren, in der ich viele jahre lebte und mir ein zuhause geschaffen hatte, sondern ich hatte vor allem mein wohnumfeld verloren, den kiez, in welchem ich viele kannte, meine nachbarn, die kneipe, die apotheke oder die verkäuferin etc. und das ist nicht etwa wenig, sondern (für mich), genau das, was ZUHAUSE ausmacht. das war das schlimmste von allem. denn momentan fühle ich mich erst mal ziemlich entwurzelt. daneben habe ich noch vieles andere verloren. aber ich habe auch gewonnen. dazu aber später mehr. Weiterlesen

26. März 2012

Prekäre Gefühle – Teil 1


Vorneweg: Dies ist KEINE umfassende Analyse der Folgen von Arbeitslosigkeit und anderen prekären Arbeits- und Lebenslagen. Das kann ein einzelner Blogartikel nicht leisten. Er beleuchtet also lediglich einen ganz bestimmten Aspekt des prekären Daseins. Andere Artikel dazu werden aber folgen mit der Zeit, die sich dann mit anderen Teilaspekten beschäftigen werden. Dann wird sich hoffentlich nach und nach ein zusammenhängendes Bild über Prekarität im Ganzen zusammenfügen. Man könnte es sehen, wie viele kleine Mosaiksteinchen, die sich nach und nach zusammenfügen zu einem Bild, wenn jedes dieser Steinchen an seinem richtigen Platze ist.

Dieses hier ist nun eines dieser Mosaiksteinchen.

Oft liest man in Zeitungsartikeln, und auch im Netz, von den Zahlen der Arbeitslosigkeit, z.B. jeden Monat am letzten Donnerstag von der Agentur für Arbeit in Nürnberg herausgegeben. Gelegentlich gibt es auch darüberhinausgehende Studien, die die aktuellen Zahlen jeweils neu hin und her drehen. Empörung über diese Zustände auf dem Arbeitsmarkt auf der einen Seite, oder im Gegenteil Bemerkungen nach der Art „wer arbeiten will, findet auch Arbeit. Die müssen sich nur anstrengen“ etc., sind dann so gut wie garantiert. Das Thema Arbeitslosigkeit mit seinen Unterthemen, Arbeitslosenstatistik, betroffene Bevölkerungsgruppen etc., dazu die Themen Hartz IV, die Höhe der Alimentierung und die Praxis in den JobCentern usw. spalten gewissermaßen die Gesellschaft. Es bilden sich fast immer genau zwei Lager heraus. (genau wie beim Thema Migranten übrigens)

Während dessen jedoch spielt sich unterhalb der Statistiken und Zahlen etwas ab, worüber ich so gut wie nie etwas lese, ja praktisch überhaupt nicht. Es ist das, was Arbeitslosigkeit und Prekarität für jemanden, der davon betroffen ist, tatsächlich in der Lebenspraxis ausmacht. Vor einigen Jahren, als H4 eingeführt worden ist, las man noch gelegentlich von „mutigen“ Selbstversuchern, Journalisten oder nicht, die jedesmal genau einen einzigen Monat versuchten, vom Regelsatz des ALG II zu leben. Jedes mal ging es darum daß man sich so manchen Luxus nicht mehr leisten konnte: den Gang zum Bioladen nicht, kein Kino, kein Fleisch und ähnliches. Diese Berichte ließen zwar Rückschlüsse über die Lebenspraxis der Schreibenden zu. Aber sagten diese so produzierten Artikel tatsächlich etwas über die tagtägliche Lebenspraxis unter Hartz4-Bedingungen aus? Aus eigener Erfahrung sage ich: nicht besonders viel. Einen einzigen Monat kann vermutlich so gut wie jeder etwas eingeschränkt leben. Wie aber sieht es aus, wenn man dies Monat für Monat tun muß, womöglich jahrelang? Und als Single mag das noch angehen, aber was ist, wenn man Kinder hat? Wie lebt man dann mit dem Regelsatz, vor allem aber die Kinder? Weiterlesen

11. März 2012

Die historischen Wurzeln der gegenwärtigen Krise


Leider kann ich folgendes Interview des Autoren Tomasz Konicz mit dem emeritierten us-amerikanischen Professor Richard D. Wolff nicht vollständig in den Blog übernehmen, sondern nur verlinken. Ich möchte ihn trotzdem hier auf diesen Blog einstellen und damit die Leser auf einen us-amerikanischen Ökonomen aufmerksam machen, der zumindest MIR bisher noch nicht bekannt war, den man aber durchaus im Kopf behalten sollte. (Vielleicht ist er auch tatsächlich in Deutschland nicht allzu bekannt. Anhand seiner Worte wird vielleicht auch schnell deutlich, warum.) – Die Genehmigung des Autoren für das Rebloggen des Interviews liegt vor.

Bertolt Brecht "Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht."Für mich persönlich war es beim Lesen, als würden viele bis dahin angedachte aber lose nebeneinander hängenden Gedanken sich zu einem Ganzen zusammen fügen. Und dazu viele Lücken, die es bis dahin in meinem Gedankengebäude gegeben hatte, sich schließen.

Der Interviewte Professor beschäftigt sich hier nicht allein mit den historischen Wurzeln der gegenwärtigen „Krise“ in den USA selbst, sondern er schlägt auch die Brücke zu uns nach Europa und darüberhinaus auf die globale Bedeutung und welche künftigen Entwicklungen er für möglich hält, zum Schluß auch, welches Potential er in der us-amerikanischen Occupy-Bewegung sieht.

Hier die dem Artikel von TELEPOLIS vorangestellte Einleitung des Interviews und abschließend der Link dorthin:

Telepolis,  09.03.2012
Der US-Ökonom Richard Wolff über die langfristigen systemischen Ursachen der Krise und die Perspektiven von Wirtschaft, Politik und Widerstand

Richard D. Wolff, laut der New York Times der “wahrscheinlich prominenteste marxistische Ökonom Amerikas”, forschte an der University of Massachusetts in Amherst zur ökonomischen Methodologie und zur Klassenstruktur der Vereinigten Staaten. Der emeritierte Ökonomie-Professor betreibt eine intensive Krisenberichterstattung und Analyse, die auf seiner Homepage verfolgt werden kann. Sein neues Buch “Occupy the Economy: Challenging Capitalism” erscheint im kommenden Mai.

Link: http://www.heise.de/tp/artikel/36/36539/1.html

21. Februar 2012

Ich oder Wir oder Was? – Plädoyer für ein Mehr an Miteinander und Gemeinschaftlichkeit


Wir leben in einer kranken Gesellschaft. Das spüren oder wissen wir alle mehr oder weniger deutlich. Und können dies auch an einzelnen Dingen festmachen. JedeR von uns. Seit Jahren bereits drehen sich genau darum viele Diskussionen, die ich beispielsweise auf facebook erlebe, in Foren und auf anderen Internetplattformen. Seit Jahren ist dieser Trend sogar zunehmend. Es erschien mir oft, als würde sich dort etwas Luft machen und nach Aufmerksamkeit rufen, was im normalrealen Leben sich kaum noch äußern kann oder eben den Raum nicht findet, sich zu artikulieren.

Eines, was ich dabei immer wieder und ebenfalls stetig steigend feststelle, wird dabei aber meist nicht einmal angesprochen (vermutlich weil sich dies niemand so direkt zu sagen traut?): Wir leiden unter mangelnder Aufmerksamkeit und Bestätigung, ja oft auch an Liebe oder wenigstens Mitgefühl.

Dieses System, in welchem wir leben, erscheint mir daher oft wie ein Mangelsystem. Dem Überfluß an Dingen, Waren und käuflichen Dienstleistungen steht ein ewiger Mangel an persönlicher Bestätigung gegenüber. Und dies auf allen Ebenen. Beruflich erleben die meisten von uns, daß sie entweder ausgebeutet werden, sinnlose Arbeit verrichten müssen, die weder für sie selbst noch für die Gesellschaft einen Sinn ergibt, die hauptsächlich darauf ausgerichtet ist, entweder den Reichtum einiger weniger zu mehren oder aber dieses System selbst aufrechtzuerhalten, was uns aber tatsächlich eigentlich nicht mehr sinnvoll erscheint. Weil wir wissen oder spüren, daß wir damit praktisch nur verlieren können. Und wir oft genug auch tagtäglich zu spüren bekommen, daß wir die letzten Deppen sind. Und die letzten beißen die Hunde. Und die Hunde, das sind wir. So etwas baut aber nicht auf, sondern macht dauerhaft unzufrieden und irgendwann vielleicht sogar krank.

Aber wir wissen noch nicht so recht umzugehen mit dieser Unzufriedenheit. Und so manchem ist auch noch nicht klar, daß diese Unzufriedenheit nicht allein daher kommt, daß sie zu wenig Geld für ihre Arbeit bekommen, prekäre Arbeitsverhältnisse haben, einen miserablen Chef, eine Art von Zwangsarbeit oder sinnlos erscheinende Tätigkeiten verrichten müssen oder aber überhaupt alles und jede Kleinigkeit der Lebensführung unsicher geworden zu sein scheint, unser Leben nicht mehr planbar ist, wie dies noch für unsere Eltern normal gewesen ist. Weiterlesen

17. Februar 2012

Online – Petition für Griechenland: 1 Million Unterschriften


reblogged von Jacob Jung

Angesichts der aktuellen Situation fragen wir uns alle, was wir, abgesehen von Aufklärungsarbeit und Solidaritätsbekundungen, tun können, um die Menschen in Griechenland zu unterstützen. Ein kleiner, aber dennoch wichtiger Beitrag lässt sich mit der Unterzeichnung einer Online-Petition leisten, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine Million Unterschriften unter einem Brief an José Manuel Barroso, den Präsidenten der Europäischen Kommission, zu sammeln.

Barroso wird dazu aufgefordert, den Wucherzinsen gegenüber Griechenland Einhalt zu gebieten und sich dafür einzusetzen, dass das Überleben und der Schutz der Menschenwürde als wichtiger erachtet werden, als das Zurückzahlen von Schulden. Zeigt Eure Solidarität mit den Menschen in Griechenland, indem Ihr die Petition zeichnet, sie teilt, verbreitet und dabei mithelft, dass innerhalb der nächsten sechs Wochen eine Million Unterschriften zusammen kommen.

Die Petition

Die Initiatoren der Online-Petition, die Gruppe Seisachtheia, werden José Manuel Barroso den folgenden Brief mit den gesammelten Unterschriften vorlegen. Die Petition kann über diesen Link zur Seite von Seisachtheia mitgezeichnet werden. Um das Ziel von einer Million Unterschriften zu erreichen, ist es dringend erforderlich, die Petition oder diesen Artikel per Reblog, per Mail, per Twitter oder per Facebook an so viele Menschen wie möglich weiterzuleiten. Weitere Informationen über die aktuelle Lage finden sich in dem Artikel “Wie wir Griechenland zerstören“. Vielen Dank an alle, die sich an der Aktion beteiligen.

An: Herrn José Manuel Barroso
Präsident der Europäischen Kommission
1049 Brüssel, Belgien

Sehr geehrter Herr Präsident,
Es ist schwer zu akzeptieren, dass Europa wucherhafte Beziehungen zu Griechenland (und anderen Ländern) aufgebaut hat. Die Zinsrate für die Kredite, die die Troika an Griechenland vergibt, liegt deutlich höher als die Rate, zu der die staatlichen Gläubiger selbst Geld leihen können (Deutschland leiht Geld zu 0,25% Zins und vergibt Kredite an Griechenland zu 5%). Die Finanzkrise in Griechenland ist von EU-Mitgliedsstaaten zu Ungunsten Griechenlands ausgenutzt worden. Weiterlesen

14. Februar 2012

NICHT in unserem Namen! Solidarität mit den Menschen Griechenlands


Was ist überhaupt geschehen in Griechenland?

In der Nacht vom 12. zum 13. Februar (nachts um 24 Uhr, sic!) wurde in Athen das neue Sparpaket beschlossen, welches dazu führen wird, daß u.a. 150.000 Griechen bis 2015 arbeitslos werden, andere mit massiven Lohneinbußen rechnen müssen, der ohnehin schon karge Mindestlohn von aktuell 876,62 € um 25% gekürzt wird  uvm. Dies alles sollte für sich schon für jeden normaldenkenden Menschen ein absoluter Wahnsinn sein. Das I-Tüpfelchen auf diesen Wahnsinn ist jedoch, daß von den 74 Abgeordneten, die gegen dieses Paket zur Ausplünderung des eigenen Volkes gestimmt haben, 43 von ihren Parteien umgehend ausgeschlossen worden sind (22 von den „Sozialdemokraten“, 21 von den Konservativen). Man fragt sich so langsam wirklich, was für ein Schmierentheater da gegeben wird (und vor allem warum in unseren „Medien“ die Demonstranten dagegen als Randalierer denunziert werden, aber nicht die wahren Verbrecher am griechischen Volke benannt). Mit Demokratie hat das jedenfalls nicht das geringste mehr zu tun. Da kann man auch absolut nichts mehr beschönigen, und auch keine Illusionen mehr hegen. Die sollten nach diesem Akt der Unmenschlichkeit endgültig passé sein.

Ich habe Hochachtung vor den Abgeordneten, die gegen diese Grausamkeit, genannt „Sparpaket“, gestimmt haben. Sie sind die einzig wahren Demokraten, die Griechenland in dieser dunklen Zeit noch hat. Griechenland, die Wiege der Demokratie. Welch eine Ironie der Geschichte (kann man es noch Ironie nennen?), daß sich das alles ausgerechnet dort abspielt.

In derselben Nacht der Abstimmung im Parlament brannte Athen, im direkten wie im übertragenen Sinne. Hunderttausende demonstrierten auf dem Syntagma-Platz und in dessen Umgebung. Es wurden einige Geschäfte in Brand gesteckt. Die Rede ist von einem Starbucks-Café, einer Bank und noch weiteren Geschäften (der Spiegel spricht von 45 Geschäften. Ist es eigentlich Zufall, daß es gerade ein Starbucks-Café zuerst traf? Eine der us-amerikanischen Geschäfts-Ketten, die sich wie Kraken in Europa ausbreiten, überall gleich aussehend, vollkommen überteuert, eine Scheinwelt propagierend, die es so in der Realität immer weniger gibt) Die Wut kochte hoch in Griechenland. Aber kann man es den Griechen verdenken? Gewalt ist ein schwieriges Thema. Viele haben Angst, sich dazu zu äußern. Ich habe dazu eine klare Position und kann diese auch benennen und vertreten und mache es an dieser Stelle auch: Gewalt ist überall da gerechtfertigt, wo es um die Selbstverteidigung geht, als Schutz in Notwehr praktisch. Sie ist dort nicht gerechtfertigt, wo sie destruktiv wirkt, eskalierend gar und ohne Not zu Schaden führt, im umfassenden Sinne. Dies ist meine ganz eigene Definition.*

[Update: im Laufe des Tages war einiges zu lesen, daß eine große Wahrscheinlichkeit besteht, die Gewalt sei ähnlich wie in Genua und Toronto von Provokateuren ausgegangen, die die Brandsätze geworfen hätten, die Polizei jedoch weitgehend tatenlos danebenstand und zusah. Es kursieren auch die ersten Fotos, die dies nachzuweisen suchen.

Beispiele dazu:

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11. Februar 2012

„Kapitalismus aufbrechen!“ John Holloway


Die Tage sind momentan etwas ruhiger geworden. Und so habe ich endlich die Zeit, mich mit einigen Themen etwas intensiver zu beschäftigen, was in den letzten Wochen und Monaten definitiv zu kurz gekommen oder sogar unter gegangen ist.

Heute möchte ich daher John Holloway vorstellen, einen irischen Soziologen, der in Mexiko lebt. Dieser war im Dezember 2011 in Berlin zu einem Vortrag, auf welchem er sein neues Buch „Kapitalismus aufbrechen!“ (englisch „crack capitalism!“) vorstellte.

Er kam über den youtube-Mitschnitt dieses Vortrages vor einigen Tagen zufällig zu mir. Ich kannte ihn vorher nicht. Und was er sagt, hat mich seit dem so fasziniert und beschäftigt, daß ich mich heute abend einmal hingesetzt habe, um ihn mir noch einmal genauer anzuhören. Und dabei die wesentlichen Punkte mitzuschreiben (nicht transkriptiv), einfach weil ich schriftlich Vorliegendes viel besser verarbeiten und mir merken kann als das, was ich lediglich gehört habe. Diese Mitschrift füge ich den youtube-Clips hinzu. Vielleicht geht es ja anderen ähnlich wie mir.

Mir persönlich stellen sich aus dem, was Holloway ausführt, etliche Fragen und ich habe beim Hören viele Assoziationen. Und ich möchte mich dazu auch gerne mit anderen austauschen. Falls es den Lesern dieses Blogs ähnlich geht, würde ich mich freuen, wenn wir in den Kommentaren dazu ins Gespräch kommen.

Jedenfalls stelle ich hier genau die beiden Videos ein, mit denen ich mich beschäftigt habe und lade den Leser ein, sich diese ebenfalls in einer möglichst ruhigen Minute einmal intensiver anzuhören, was Holloway zu sagen hat. Gerne auch noch ein zweites Mal, denn vieles überhört man auch oder begreift anderes (und die Zusammenhänge) womöglich erst auch beim zweiten Hören.

„Kapitalismus aufbrechen!“

Holloway resümmiert zu Beginn über das bewegende Jahr 2011, den „arabischen Frühling, europäischen Sommer und amerikanischen Herbst“, wie er es nennt. Und faßt zusammen, daß alle Bewegungen gemeinsam haben, daß der Kapitalismus eine Katastrophe für die Menschheit ist und uns in Richtung des eigenen Untergangs führt. Bleibt für ihn die einzige wissenschaftliche Frage: wie diese tödliche Dynamik gebrochen werden kann.

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